Als ich mich in der Karwoche auf einem ausgedehnten Spaziergang mit meiner Hündin Cindy befand, übermannte mich kurz nach der Mittagszeit ein Gefühl des Hungers. Da ich mich in einer mir unbekannten Region meines Heimatbundeslandes Oberösterreich befand, noch dazu mitten im Wald, hielt ich aufmerksamer als sonst Ausschau nach einer geeigneten Gaststätte, an der ich mich laben konnte.

Auf diese Weise drang ich immer tiefer in den Wald ein. Schließlich befand ich mich vor einer Hütte, die wie das Lebkuchenhaus aus Hänsel und Gretel anmutete. Die Stimmung, dies sage ich, ohne mich dafür zu schämen, gab sich unheimlich. Meinen Hund über die Leine näher an mich heranziehend, nahm ich das Häuschen näher in Augenschein. Jede Minute vermutete ich ein steinaltes Weiblein mit grauem Haar und Zahnlücken aus selbigem hervor zu treten. Da las ich folgende, verheißungsvolle Worte über der Eingangstür: “Jausenstation Schikaneder – ganztags warme Köche”. Bei besagtem “ö” im Wort Köche dürfte es sich allerdings um einen Druckfehler gehandelt haben. Hoffentlich.

Ich nahm Cindy kurz an die Leine und betrat das Gebäude. Zu meiner Verwunderung saßen an den Tischen innerhalb der Hütte nur äußerst wohlbeleibte Menschen, die trotz ihrer körperlichen Fülle weiterhin Essen in sich hinein stopften. Etwas perplex hielt ich nach einem freien Platz Ausschau, den ich prompt an einer Tafel neben einem Fenster fand. Gleich nachdem ich Platz genommen und die Leine meines Hundes am Tischbein befestigt hatte, erschien schon die Kellnerin, um meine Bestellung aufzunehmen. Es bedurfte keines Blicks in die Speisekarte, um zu wissen, dass ich gerne ein Schnitzel mit Kartoffelsalat, ein großes Spezi als Getränk und für Cindy eine Schüssel mit Wasser ordern wollte. Mein Gegenüber notierte sich die Wünsche, bedankte sich und verschwand hinter dem Tresen.

Es waren noch keine fünf Minuten vergangen, da tischte mir der Koch höchstpersönlich (und so warm sah er gar nicht aus), mein Mahl auf und reichte dem Hund das Wasser. Da ich tatsächlich schon äußerst großen Hunger verspürte, wartete ich nicht lange und schnitt ein großes Stück paniertes Fleisch von meinem Schnitzel. Genüßlich führte ich es zum Mund und begann zu kauen. Es schmeckte wirklich großartig! Saftig, knusprig und zart zugleich, schmolz es förmlich in meinem Mund. Gleich schob ich eine volle Gabel Kartoffelsalat nach.
Als ich schließlich ein weiteres Stück von meinem Schnitzel schneiden wollte, traute ich meinen Augen kaum: Das Stück war frisch und nichts davon fehlte. Es schien, als wäre die kleine Ecke, die ich bereits verköstigt hatte, wieder angewachsen. Die gesamte Situation mutete höchst seltsam an. Letzten Endes schob ich das Mysterium jedoch auf meinen körperlich etwas erschöpften Zustand und widmete mich dem nächsten Stück der Köstlichkeit.

Als ich dieses verspeist hatte, mußte ich, beinahe erschreckt, feststellen, dass es wieder nachgewachsen war. Nun wollte ich dem Phänomen auf dem Grund gehen. Ich schluckte das ganze Schnitzel in einem Stück und wartete, was passieren würde. Tatsächlich! Da lag es erneut auf meinem Teller. Frisch und knusprig, als käme es frisch aus der Pfanne. Zudem schien sich das Fleisch mit Schinken und Käse gefüllt zu haben. Das Schnitzel mutierte also ohne jedes Zutun zu einem Cordon-Bleu.

Im Folgenden habe ich alles versucht, um meine Mahlzeit zu verzehren. Ich hab gekaut, geschluckt, gegessen und gemampft und es viele Male Cindy verfüttert. Ohne Erfolg – das Essen befindet sich heute noch auf meinem Teller. Mittlerweile habe ich mich in Sachen Optik und Habitus sehr dem restlichen Klientel des Gasthauses angeglichen. Ich bin über die Maßen dick und stopfe dennoch weiter Futter in meinen Körper.
Während ich diese Zeilen schreibe, kaue ich an meinem Cordon Bleu und hoffe, dass es sich dieses Mal vielleicht doch um den letzten Bissen gehandelt haben könnte.

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Ausflugsbegegnungen

21. April 2018 0
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