Als ich vergangenen Sommer eines Tages des Nächtens aufwachte, irritierte mich zunächst ein Blick auf meine Wanduhr. Diese signalisierte mir nämlich äußerst ungeniert, dass es nicht später als zwei Uhr morgens wäre. An sich ließe sich an dieser Tatsache nichts Ungewöhnliches ableiten, allerdings war ich erst um vier Uhr zu Bett gegangen und hätte nun, laut meines Chronometers an der Wand also minus zwei Stunden geschlafen.

Zwar fühlte ich mich leicht gerädert und benommen, insgesamt dünkte mich aber der Eindruck, weitestgehend ausgeschlafen zu sein. Dies schien mir auf so viele Weisen suspekt. Vor allem angesichts des Umstandes, dass ich scheinbar weniger geschlafen hätte, als ich tags zuvor wach war. Ein Mysterium also, das eines Albert Einsteins würdig gewesen wäre. Allerdings gab mir der Blick auf meinen Digitalwecker, der sich auf der anderen Seite meines Bettes auf dem Nachtkästchen befand, etwas Aufschluss: Dieser vermeldete nämlich höchstanständig, dass es keineswegs zwei Uhr nachts, sondern 14 Uhr Nachmittags war. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dieser Umstand einerseits zu einer gewissen Erleichterung führte und andererseits einen kleinen Strahl Licht ins Dunkel brachte. Allerdings nur metaphorisch. Tatsächlich war es in meinem Schlafzimmer immer noch stockdunkel.

Als sich meine anfängliche Benommenheit allmählich etwas lichtete, schoss mir jäh ein Geistesblitz durch den Kopf! Klarerweise hatte ich die Vorhänge vor das Fenster gezogen. Diese Tatsache würde die rabenschwarze Finsternis erklären. Ich erhob mich also von meiner Ruhestätte und tastete mich vorsichtig Richtung Fenster. Dort angekommen griff ich nach dem Vorhang; meine Hand glitt jedoch ins Leere. Wo war der Vorhang hin gekommen? Das nächste Rätsel. Es nahm überraschend viel Zeit in Anspruch, mich dessen zu entsinnen, dass ich gar keinen Vorhang besaß. Mein Schlafzimmerfenster war sozusagen nackt. Und das bereits seit Jahren.

Warum aber tappte ich – sowohl tatsächlich, als auch metaphorisch – immer noch im Dunkeln? Mir kam ein Gedanke, dessen Umsetzung mir zumindest den Versuch wert schien. Ich versuchte, die Klinke am Fenster zu ertasten. Als ich selbige gefunden hatte, öffnete ich den Flügel und hellster Sonnenschein flutete den Raum. Draußen war herrlicher Tag. Also schloß ich das Fenster wieder – und fand mich erneut in der Finsternis. Ich war zugegebenermaßen verblüfft.

Einer geistigen Mixtur aus Columbo und Sir Isaac Newton gleich, beschloss ich, dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Ich nahm meine Denkerpose ein und begann, nachzudenken. Ich kraulte mich am Ohr, knetete meine Lippen und kratzte mich am Haupt. Ohne Ergebnis. Ich bohrte in der Nase, tappste mir selbst auf den Hintern und strich mit dem rechten Zeigefinger sinnierend über das Fensterglas. Da, plötzlich! Ein kleiner Streifen zeigte sich, durch den Licht fiel. Ich wischte noch einmal über das Glas. Noch einmal und noch einmal. Der Tag begann nun, das Zimmer zu füllen.

Des Rätsels Lösung war also ganz einfach: Ich musste meine Fenster putzen!

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