Im Allgemeinen bin ich doch dafür bekannt, den allergrößten Teil meiner Zeit zu Hause in meinen vier Wänden zu verbringen. Ich liebe es, mich mit meinen Computern zu beschäftigen, mich einer ausgedehnten Partie Videospiel hinzugeben und, wenn ich von all dem bislang genannten genug habe, gelegentlich einfach nur faul auf dem Sofa vor dem TV-Apparat zu lümmeln.

Nicht zuletzt einer etwas besorgniserregenden gesundheitlichen Vorsorgeuntersuchung wegen, fühlte ich mich im Frühjahr 2015 dazu angehalten, meinen doch sehr eingeschränkten Bewegungsradius etwas zu erweitern. Und dies deutlich sichtbarer als von der wohnzimmerlichen Couch bis hin zur Toilette oder zum Kühlschrank. Nicht zuletzt auf Anraten meines behandelnden Arztes, sollte ich mich sportlich an der frischen Luft betätigen; ein Ratschlag, der mich, zugegebenermaßen,im Übrigen nicht gerade in einen Jubeltaumel geraten ließ.

Nachdem mir Radfahren zu schnell, spazieren gehen zu langsam, schwimmen zu nass und laufen zu anstrengend war, machte mich mein Bruder darauf aufmerksam, dass Bergwandern und Bergsteigen eine körperlich herausfordernde Beschäftigung darstelle, die mich innerlich frei mache und zudem mit meinem Sinn für das Schöne harmoniere. Denn was in der Welt gäbe es Beeindruckenderes, als das Panorama eines rotgoldenen Sonnenaufgangs im Herzen des alpinen Vorlandes, gepaart mit der gesunden, frischen Luft montanen Seins?

Schnell fühlte ich mich Feuer und Flamme für diese Betätigung, von der mir nicht nur mein Bruder, sondern allem voran ich mir selber viel versprach. Da ich mich fundiert auf mein neues Hobby vorbereiten wollte, entschloß ich mich zunächst dazu, mich intensiv darauf vorzubereiten. Ich hatte viel vor und sah mich am Beginn eines ebenso langen wie auch interessanten Weges. Dieses neue Hobby sollte eben nicht bloß Hobby bleiben, sondern, noch viel intensiver, irgendwann eine regelrechte Leidenschaft darstellen. Ja womöglich gar einen echten Lebensinhalt.

Was brachte es denn schon mit sich, viel von Computern zu verstehen? Wer profitiert wirklich davon, zu schreiben und Texte in verschiedensten Online-Foren und Webauftritten zu publizieren? Auf einmal sah ich klarer. Das waren doch alles bloß kleine, unbedeutende Kinkerlitzchen. Plötzlich wurde mir bewußt, dass das wahre Leben, die echte Herausforderung und tatsächliche Befriedigung auschließlich und einzig und allein daher rühren konnte, dass ich allein und kraft meines Körpers die höchsten, steilsten und mächtigsten Gebirge erklämme.

Vor meinem geistigen Auge sah ich mich bereits als Reinkarnation Reinhold Messners, nicht davor zurückschreckend, auch das gewaltigste Massiv, wie etwa den Linzer Pöstlingberg im Alleingang und ohne Sauerstoffgerät zu bezwingen. Gut, womöglich würde ich für den Anfang das erste Teilstück des steilen Geländes per Pöstlingbergbahn zurücklegen; aber die letzten Schritte täte ich auf jeden Fall zu Fuß.

Schnell machte ich mich daran, mich intensiv und tiefgründig auf meinen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten. Zum letzten Mal für wahrscheinlich immer setzte ich mich an meinen Laptop und öffnete die Googlesuche, um so an alles Wissenswerte bezüglich des Bergsteigens heran zu gelangen. Was ich da aber lesen musste, machte mich stutzig. Nicht nur, dass ich Unsummen für Ausrüstung und erforderlicher Technik ausgeben hätte müssen, dieser Sport war zudem noch höchst gefährlich. Ich versichere Ihnen, meine Forschungen haben ergeben, dass ich, sollte ich bei einer Besteigung des Mount Everest um´s Leben kommen, tatsächlich nicht der erste Verunglückte dieses Massivs wäre. Egal, wohin ich mich wandte und wo ich auch recherchierte, überall wurde von tödlichen Unfällen berichtet. Zudem, so wurde mir allerorts im Internet versichert, sollte der Aufstieg auf die diversen Berge mit unvorstellbarer körperlicher Strapaz gleichbedeutend sein.

Ich klappte also den Laptop zu und kraulte mir minutenlang selbst den Bart. Danach schaltete ich den Fernsehapparat ein und genoß eine Ausgabe der Sendung “Land der Berge”. Besser so und gesund, als anders und womöglich tot.

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14. Februar 2018 0
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