Man darf die Mittagessen, die ich mit Freund und Kollegen Wolf Gruber abhalte, mittlerweile bestimmt schon als kleine Tradition bezeichnen. Immerhin findet die gemeinsame Nahrungsaufnahme bereits mit einer gewissen Regelmäßigkeit statt.

Schauplatz unserer mittäglichen Treffen ist dabei stets ein gemütliches und ausgezeichnetes Chinarestaurant in einem kleinen Einkaufspark im oberösterreichischen Asten.
Auch heute lud der Gruber wieder zu einem Treffen. Und so gab man sich kurz nach High Noon in der klimatisierten großen Stube des Gasthauses die Ehre.

Ich muss gestehen, dass ich schon ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich mich um sagenhafte fünf Minuten verspätete. Ein Lapsus, der mir ansonsten nie widerfährt. Denn im Normalfall handelt es sich bei mir um die Pünktlichkeit in Person. Eher findet man bei mir das Gegenteil vor – ich bin überpünktlich. Nicht selten tummle ich mich bei Verabredungen bereits eine Viertelstunde vor Termin am vereinbarten Treffpunkt.
Ich möchte ehrlich sein: Um ganze fünf Minuten zu spät zu erscheinen, musste ich wirklich gehörig über meinen Schatten springen. Aber, da ich weiss, dass ein Gruber es mit der Pünktlichkeit auch nicht stets zu einhundert Prozent genau nimmt, ließ ich mir dieses Mal ebenfalls etwas mehr Zeit.

Ich darf an dieser Stelle nicht ohne Stolz verkünden, dass Wolf Gruber, trotz meiner Nachlässigkeit, immer noch nach mir im Restaurant erschienen ist…

Der Bestellvorgang im China-Restaurant geht im Großen und Ganzen stets schnell von statten. Vor allem dann, wenn die asiatische Gaststätte über ein Mittagsbuffet verfügt. Man hat nichts weiter zu erledigen, als ein Getränk zu ordern und bekannt zu geben, dass man sich an den reichhaltigen Köstlichkeiten in den Warmhaltebottichen gütlich tun wird.

Genau das war es auch, was Kollege Gruber und ich vollbrachten. Nachdem, wie des Grubers höchst wert geschätzte Ehegattin es zu formulieren liebt, nur ein satter Wolf ein guter Wolf ist, ließen wir uns bei der Menge an einverleibten Speisen auch nicht lumpen.

Ganze zwei Portionen verfrachtete ich von der Theke in das innere meines Magens. Nicht anders praktizierte es auch meine Begleitung.

Ich mag es ja, ehrlich gesagt, nicht, mich maßlos zu überfressen (auch, wenn mir dadurch kein finanzieller Nachteil entstehen würde), aber ein angenehmes Gefühl der Völle darf es schließlich doch sein. Nach einem Mahl üppigen Ausmaßes also, schritten wir weiter zum gemütlichen Teil des Treffens.
Zu diesem Behufe wechselten wir in den Raucherbereich des Lokals. Ich versuche ja, dem blauen Dunst zu entsagen, wo ich nur kann, aber nach einem ausgedehnten Mittagessen greife ich stets gerne zum Glimmstengel. Also ja, der Grund, warum Wolf und meine Wenigkeit in den Raucherbereich wechselten, war einzig und allein ich. Ich und meine Sucht.

Wie immer zu solchen Gelegenheiten tauschten Kollege Gruber und ich Gedanken über unsere künstlerische Zukunft aus. Und, wie immer zu solchen Gelegenheiten, präsentierte mir mein Gegenüber eine neue Idee, der er nachgeht. Ich bin stets sehr angetan davon, was sich der Wolf Neues einfallen lässt.
Auch heute wurde ich nicht enttäuscht. Das, was meine ehemaliger Bühnenpartner in naher Zukunft anstrebt, klingt vernünftig und entbehrt auf keinen Fall einer gewissen qualitativen Güte. Immer wieder motivieren mich die Einfälle des Grubers. Sie regen mich an, selbst aktiv zu werden und nach immer neuen Zielen zu streben.

Geschwängert von neuen Ideen, guten Vibrationen und frischer Motivation und wie schwanger vom fetten Chinesenfutter, wachterten Gruber und Riegler noch gemeinsam quer über den Parkplatz des Einkaufsparks in Richtung des Supermarktes. Dort wurden die Einkäufe für den Tag getätigt.
Während ich mich kurzerhand für ein Sixpack Mineralwasser entschied, schnürte sich Wolf ein kulinarisches Allroundpaket bestehend aus Biogemüse und überzuckerten Energy-Drinks. Nach dem Bezahlen der Ware an der Supermarktkasse, trat schließlich, jeder für sich, den Heimweg an.

Share:  
Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.