Wahrscheinlich wird es sie nicht verwundern, wenn ich ihnen hiermit mitteile, dass ich, alles in allem, ein außerordentlich langweiliges Leben führe. Den ganzen Tag hänge ich vor dem TV-Apparat und schaue Reality Fernsehen und Doku Soaps. Also alles das, was der kritische Zeitgenosse lapidar als Hartz 4-TV bezeichnet. Nicht, weil es mir unglaublich viel Spaß bereitet, sondern weil mein Leben schlicht und ergreifend trist und völlig ereignislos ist.

Sowohl Freunde und Familie, als auch professionelle Therapeuten und Lebensberater, haben mir eindringlichst empfohlen, mir dringend eine Beschäftigung zu suchen, die mich erfüllt und meinem Leben einen Sinn verleiht. Interessanterweise musste ich gar nicht lange überlegen, welche Tätigkeit diesen Zweck für mich erfüllen könnte. Relativ schnell fand ich etwas, das mir unglaublich viel Freude bereitete: Ich bewarb mich bei Casting-Shows.

Meinen Anfang gab ich bei einem der berühmtesten deutschen Gesangsformate. Weil ich weiß, dass ich gesanglich wirklich gut, wenn nicht gar der allumfassend Beste bin, versuchte ich, die Jury mit einer Interpretation einer Klaus Nomi Nummer zu beeindrucken. Bei einer bärenhaften Erscheinung mit beinahe zwei Metern Körpergröße und einem Lebendgewicht von 190 Kilo, kann das leidenschaftliche Schmettern eines hohen Counter Tenor Songs einfach keinen Widerspruch in sich darstellen.
Ich bin mir sicher, dass die Jury den Sachverhalt genau so sah wie ich. Die Tatsache, dass man mich mit Schimpf und Schande, mit Spott und Hohn aus dem Haus geschmissen hatte, führe ich auf den Umstand zurück, dass ich einfach zu gut war und man der bemitleidenswerten Konkurrenz einfach ebenfalls eine kleine Chance einräumen wollte. Man ging wohl davon aus, dass ich meinen Weg ohnehin gehen werde und ich ohne Schwierigkeiten bei jedem erdenklichen Plattenlabel ohne Umschweife einen Vertrag aushandeln könne. Meinem unzweifelhaften Talent sei es gedankt.

Dass ich selbstverständlich nicht nur stimmlich Einiges zu bieten habe, sondern auch in Sachen Körperbeherrschung auf ganzer Linie überzeugen kann, wollte ich schließlich bei einer internationalen Talenteshow unter Beweis stellen. Mit einer Mischung aus Akrobatik und Tanz versuchte ich also die fachkundigen Wertungsrichter zu überzeugen. Alles, was ich für die Darbietung meiner physischen Überlegenheit benötigte, war ein aufblasbares Planschbecken und ein paar Liter handelsüblichen Leitungswassers. Letzteres natürlich in offener Form schwimmend im Gummibecken.
Meine schlichtweg atemberaubende Performance bestand darin, mich mittels einer sowohl ästhetisch als auch effektiv mehr als ansprechenden Arschbombe ins Wasser zu befördern und dabei eine möglichst unüberschaubare Sauwirtschaft anzurichten. Mit Stolz und Freude darf ich vermelden, dass ich dies auch anstandslos und bei jedem geforderten Versuch bewerkstelligen konnte. Möglich machte dies nur ein gleichermaßen intensives wie auch diszipliniertes Training, das ich zusammen mit mehrern Coaches und Betreuern in monatelanger Kleinarbeit durchgezogen hatte.

Wie schon beim Gesangswettbewerb, muss mich auch die Jury der Talenteshow für überqualifziert gehalten haben. Jedenfalls wurde ich erneut mit Pauken und Trompeten davon gejagt. Ich weiss aber, dass ich ein überaus begabtes Bürschchen bin, und lasse micht nicht unterkriegen. Das Leben eines hochbegabten Universalgenies ist eben nicht immer das einfachste.

Share:  
Next Post

Ein Schnitzel der besonderen Art

5. April 2018 0
Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.